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Die Welt der Finanzen in Krisenzeiten

Im europäischen Vergleich liegt die Wirtschaft Deutschlands schon fast auf einer Insel der Glückseligen. Über die Gründe hier für darf heftig gestritten werden und so gibt es Zeitgenossen, die die Agenda 2010 unter der Kanzlerschaft Schröder im positiven Sinne für die eher glückliche Wirtschaftsentwicklung Deutschlands in Krisenzeiten dafür verantwortlich machen. Kritiker dieser Reform hingegen stellen die Frage, welches der Einzelgesetze dieser groß angelegten Agenda denn nun die Ursache für die positive Entwicklung gewesen sein soll. Die Umbenennung des alten Arbeitsamtes in die Arbeitsagentur kann es vermutlich kaum gewesen sein. Auch die sogenannte Ich-AG als eine Komponente der Hartz-Gesetze hatte nicht lange Bestand. Hartz IV, was sowohl die bisherige Sozialhilfe, wie auch die Arbeitslosenhilfe ersetzen sollte, hat sich als ein sehr teures Gesetz erwiesen, das vor allem den Berufsstand der Rechtsanwälte gefreut haben mag. Ob dieses Gesetz wirklich einen Beitrag dazu geleistet hat, Kosten zu senken und die Verwaltung zu modernisieren, wird ebenfalls nicht einheitlich beantwortet. Auch war Deutschland schon vor der Agenda 2010 Reform ein Land, das wirtschaftlichen Erfolg zu großen Anteilen über den Export zu definieren wusste, ein Konzept der auch in europäischen Krisenzeiten zu überzeugen weiß.

Ohne Finanzmarkt geht es nicht

Man kann auf die „bösen Banker“ schimpfen oder sich ein anderes Gesellschaftssystem wünschen, ohne solide Finanzen geht es einfach nicht. Wir alle sind genötigt für unser Alter vorzusorgen und ob wir den Finanzdienstleister lieben oder hassen, ohne ein Bankkonto kommen wir kaum durch das moderne Leben. Insofern sind wir aller Kritik zum Trotz fast alle Bundesbürger der Vertragspartner einer Bank und selbst jene Zeitgenossen, die sich Zeit nehmen, an einer Blockupy-Demonstration vor den Eingangstüren der großen Banken teilzunehmen, sind gleichzeitig auch ein Teil des Systems.

Wir leben in einem System des gemäßigten Kapitalismus (oder wir versuchen zumindest dieses Ziel dem Gegenentwurf eines all zu freien Marktes entgegen zu setzen). Denn was wären die Alternativen? Der autoritäre Sozialismus hat sich als wenig praktisch erwiesen, in einer Anarchie würde der ordnungsliebende Deutsche wohl kaum seine Erfüllung finden und über Nationalismus oder Faschismus als Gesellschaftssystem wird man in Deutschland wohl kaum mehr erstens nachdenken wollen. Was bleibt ist der Gedanke, den Kapitalismus an der kurzen Leine zu halten und stets den Blick für mögliche Auswüchse des selben nicht aus den Augen zu verlieren. Denn so wie wir es vielleicht nicht lieben, das eigene Blut anzusehen, das aus einer Schnittwunde rinnt, während dieses Blut gleichzeitig dazu beiträgt, dass wir am Leben bleiben, so fällt es uns doch schwer ernsthaft den Kapitalismus in Frage zu stellen, der doch ein Teil von uns allem und wir ein Teil von ihm geworden sind. Denn wer hat nicht ein kleines Sparkonto auf der Bank oder gar ein Häuschen mit Garten, in dem es zu wohnen, nicht nur zu einer Gewohnheit, sondern gar zu einem Genuss geworden ist?

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